[Lesung] Clara Gabriel vom 12. April 13. April 2018

Bereis am 16. Februar hatte Clara Gabriel ihre Postkarten und ihr Buch „Postkarten an Dora“ in der Bücherei unseres Städtchens vorgestellt. Natürlich hatte ich schon frühzeitig die Tickets besorgt….

Leider hatte uns die diesjährige Grippe- und Erkältungswelle einen Riesenstrich durch die Rechnung gemacht.

Blogfotogräfin Claudia (Schunke Pictures) lag mit Fieber flach. Viel besser sah es bei Anja (anjas-insel) auch nicht aus. Ich war bis dahin zwar angeschlagen aber noch fit. Bis zum Tag der Lesung. Da hatten meine Erkältungsviren beschlossen, eine Mega Party zu feiern. So fiel für mich die Lesung also auch flach.

Die Lesung im Nachbarstädtchen hätte ich wohl auch verpasst, hätten diese verflixten Viren nicht auch bei Clara zugeschlagen.

Nun wurde die so ausgefallene Lesung also gestern endlich nachgeholt. Leider ohne Anja und Claudia, die beide verhindert waren. Ich habe mich also alleine auf den Weg gemacht.

Kaum angekommen, trat auch schon Clara durch die Tür nach draußen. Da war die Freude natürlich groß. Zum Glück haben wir vor lauter Quasseln nicht den Beginn der Lesung verpasst.

Kurz vor Beginn haben wir dann auch unsere Plätze eingenommen. Clara auf der Bühne, ich davor.

Clara erzählte, wie sie auf der Suche nach passenden Motiven für Weihnachtskarten die olle Kiste mit den Postkarten im Keller ihrer Eltern durchwühlte, als ihr auffiel, dass die Karten alle an die selbe Person adressiert waren. Erste Recherche zu dieser Dora Neumann verliefen jedoch im Sande. Deshalb hat sie nach einer Weile beschlossen, sich ihre eigene Geschichte auszudenken, wobei sie sich streng an die Vorgaben der Karten richtete, was Zeit und Ort und Motiv anging.

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Nach einem Ausschnitt aus „Postkarten an Dora“ zeigte sie weitere Karten. Auf diese Weise führte die Autorin durch einen spannenden, lehrreichen und unterhaltsamen Abend, der von mir aus noch gerne länger hätte dauern können.

Während der Pause hatte ich dann auch die Möglichkeit, eines ihrer Bücher zu kaufen und signieren zu lassen. Außerdem hatte ich das große Vergnügen, Claras Mutter und deren Freundin kennenzulernen, die mich gleich nach meiner fachmännischen Meinung zu Buch und Lesung ausquetschten. 😀

Viel zu früh war der Abend dann auch schon wieder zu Ende.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich die Postkarten auf der wirklich sehr interessanten und spannenden Seite der Autorin hier anschauen:
www.doras-postkarten.de

[Rezension] Postkarten an Dora von Clara Gabriel

Clara Gabriel
Postkarten an Dora

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 4215 KB
ASIN: B073NZQ3KG

Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (30. Juni 2017)
ISBN-13: 978-1547209880

Etwas historisches? Und dann auch noch aus der Zeit der Jahrtausendwende? Was ist da denn schon groß passiert? Industrialisierung… Gesellschaftliche Zwänge… Frauen saßen zu Hause und warteten darauf, verheiratet zu werden…*schnarch*

Das waren meine Gedanken, als mir dieses Buch begegnete. Dann hörte ich von der Hintergrundgeschichte und meine Neugier war geweckt.

Doras Geschichte basiert nämlich auf dem realen Fund von 192 alten Postkarten. Da die Autorin leider nichts über die tatsächlichen Verfasser bzw. die Empfängerin herausfinden konnte, hat sie sich ihre eigene Geschichte ausgedacht.

Wie es so meine Art ist, habe ich den Klappentext natürlich trotzdem nicht gelesen und wusste daher auch gar nicht, was mich erwartet.

Gefunden habe ich ein Buch über eine junge Frau, die auf der Suche nach sich selbst ist und deren Weg sie dafür um die halbe Welt führt.

Darum geht es:

Doras großer Traum ist es, Schauspielerin zu werden und nach Amerika zu gehen. Ihre Eltern haben allerdings andere Pläne für sie. Sie schicken sie vom thüringischen Städtchen Schleusingen nach Braunschweig, wo sie zur Lehrerin ausgebildet werden soll. Ihr Plan, einfach nach Amerika statt nach Braunschweig zu reisen, scheitert an dem Begleiter, den ihr Vater für sie auserkoren hat: den jungen Offizier Alfred von Nathusius.

Dora und Alfred kommen sich näher, doch kann Dora ihren großen Traum nicht so einfach aufgeben. Heimlich stiehlt sie sich nachts aus dem Haus um ihre große Reise anzutreten. Das kann Alfred natürlich nicht so einfach hinnehmen, denn er ist ein Ehrenmann und folgt ihr, um sie wohlbehalten zurück zu bringen. In Hamburg verliert er allerdings ihre Spur. Dort erfährt er jedoch von Mädchenhändlern, die jungen Frauen falsche Versprechungen von Amerika machen und diese dann im „falschen Amerika“ zur Prostitution zwingen. Entsetzt macht er sich auf die Reise nach Südamerika, um Dora aus den Fängen der Mädchenhändler zu befreien.

Dora allerdings verschlägt es zunächst nach London, wo sie ihre Karriere als Schauspielerin starten will. Als behütete Tochter aus gutbürgerlichem Haus hat Dora völlig blauäugig ihre große Reise auf die Bühnen der Welt begonnen. Als sie in London eintrifft, ist sie geschockt von den Verhältnissen, unter denen sie zu leben gezwungen ist. Schnell muss sie feststellen, dass das gar nicht so einfach ist und dass ihre Gage allein zum Überleben nicht reicht. Ihr erstes Engagement zwingt sie dazu, nach ihrem Auftritt „nett“ zu ihrem durchweg männlichen Publikum zu sein. Dann trifft sie den jungen, gutsituierten Banker Edward, der zu ihrem Gönner wird und ihr ein Leben im Luxus bietet. Schließlich findet sie sogar die Liebe und ihr Traum von Amerika wird wahr. Doch leider ist es das „falsche Amerika“.

Ich sage dazu:

Wie ihr dem Anfang dieser Rezi entnehmen könnt, habe ich nur mit ein paar Wissensfragmenten aus dem Geschichtsunterricht mit dem Lesen begonnen. Wie sich eine alleinstehende Frau in dieser Zeit durchschlagen musste, darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Auch, dass es neben der großen Auswanderungswelle nach Amerika viele Menschen gab, die stattdessen im „falschen Amerika“ gelandet sind, habe ich nicht gewusst.

Überrascht musste ich feststellen, dass diese Zeit also gar nicht so grau und trist und öde war, wie ich immer geglaubt habe. Hinter verschlossenen Türen, jenseits der biederen gesellschaftlichen Norm fand ich eine Welt aus Gewalt und Prostitution.

Der Schreibstil von Clara Gabriel hat mir sehr gut gefallen und man merkt beim Lesen, dass sich die Autorin sehr mit der Zeit nach 1900 beschäftigt hat. Selbstverständlich finden sich auch ein paar der Postkarten in der Geschichte wieder.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich die Postkarten auf der wirklich sehr interessanten und spannenden Seite der Autorin sogar anschauen:

www.doras-postkarten.de