[Rezension] Love Lessons – Nachhilfe fürs Herz von Karin Koenicke

Karin Koenicke
Love Lessons – Nachhilfe fürs Herz

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 2512 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 275 Seiten

ASIN: B07H4S72NT

Darum geht es:

Die idealistische Marina hat sich mit fast 30 Jahren einen Traum erfüllt und ein Psychologiestudium in Köln begonnen. Allerdings ist sie unzufrieden damit, nichts als graue Theorie büffeln zu müssen. Als ihre fast gleichaltrige Kommilitonin und Freundin Willie ein Fachbuch des renommierten Professors Garrett Featherstone, der in Oxford lehrt, anschleppt, setzen beide Frauen alles daran, ihr Studium bei ihm fortzusetzen. Tatsächlich gelingt ihnen das. Doch kaum hat die erste Vorlesung bei Professor Featherstone begonnen, muss Marina feststellen, dass er so gar nicht ihren Vorstellungen entspricht. Während der Professor darauf beharrt, dass einzig und allein Wissen zum Erfolg führt, ist Marina der Überzeugung, dass man Menschen nur mit Empathie helfen kann. Er kann mit ihrem Idealismus nichts anfangen und kanzelt sie direkt als faul und unbegabt ab. Das kann Marina natürlich nicht auf sich sitzen lassen und streitet sich mit ihm. Aus Angst, jetzt von der Uni zu fliegen folgt sie ihm nach der Vorlesung, um sich zu entschuldigen. Doch wieder fliegen die Fetzen. Es geht sogar so weit, dass beide einen Verkehrsunfall verursachen und in einem Schnellverfahren zu 30 Sozialstunden verurteilt werden. Abzuleisten mit Gartenarbeit im Lewis-Park. Gemeinsam treten sie ihre Strafe an und fangen prompt wieder an zu streiten. Genervt von seiner miesen Laune und seiner selbstherrlichen Art fordert sie ihn heraus, eine Frau zu beeindrucken, ohne seinen Intellekt ins Spiel zu bringen. Er geht wutschnaubend darauf ein und wettet mit Marina. Dabei stellt er sich vor, einfach irgendeine seiner Studentinnen zu verführen um die Wette zu gewinnen. Doch er hat nicht mit Mrs Spencer, dem Unfallopfer, gerechnet, die zufällig des Weges kommt und alles mitbekommen hat. Sie mischt sich ein und sorgt dafür, dass die Wette um einiges erschwert wird. Er soll nämlich nicht irgendeine Studentin verführen, sondern Marina herself. Na, Mahlzeit!

Bisher hatte der Professor nie Probleme, Frauen in sein Bett zu bekommen. Gibt es doch genug Wissenschafts-Groupies unter seinen Studentinnen, die auf seinen Intellekt abfahren. Die Wette stellt ihn nun vor eine echte Herausforderung. Verzweifelt greift er zu Fachliteratur in Form von Flirt-Ratgebern…

Ich sage dazu:

Alle Charaktere in der Geschichte mochte ich auf ihre Art. Sei es die flippige Willie, die ihr Studentenleben in vollen Zügen genießen oder die berechnende Neema, Mrs Spencer und ihr Hündchen Toffee oder das Eis-Duo Ben und Jerry.

Aber auch die Unsympathen fand ich gut gelungen. Garretts Vater, dem er nie etwas recht machen kann, genauso wie seinen überheblichen Bruder und die Vorzeigetussi Juliette.

Da ich ja auf die immer schlecht gelaunten, missmutigen Typen stehe (jedenfalls in Büchern ;-)) passt Professor Garrett Featherstone prima ins Bild. Als reiner Kopfmensch bringt ihn Marina mit ihrem Helfer-Syndrom und ihrer freundlichen, gefühlvollen Art regelmäßig auf die Palme.

Marina dagegen macht es rasend, dass der Professor sich ausschließlich auf sein Wissen verlässt. Sie hört in alles Lebenslagen auf ihre Intuition, weil sie es furchtbar findet, Menschen nach Schema F zu beurteilen. Deshalb beobachtet sie ihre Umwelt und ihre Mitmenschen genau, um Ansatzpunkte zu finden, wie sie den Menschen helfen kann. Denn genau das macht sie aus. Sie ist stolz auf ihre Hilfsbereitschaft und der festen Überzeugung, dass man sie nur deswegen mag.

Mag sein, dass beide Figuren ein bisschen zu sehr in Schwarz und Weiß denken, ihre Beweggründe machen das Ganze jedoch glaubhaft. Eine klare Entwicklung lässt sich im Laufe der Geschichte außerdem erkennen.

Mit ihrer bildhaften und witzigen Schreibweise hat Karin Koenicke bei mir jedenfalls einen Nerv getroffen. Ich war in Oxford am altehrwürdigen St. Ambrose College, bin auf dem Isis Boot gefahren und habe die Grinsekatze im Lewis-Park gesehen. Bei den Flirtversuchen des Professors habe ich Tränen gelacht. Ich habe geheult, gekichert und gebangt…

Alles in allem fand ich die Story von dem Professor mit dem analytischen Verstand und der Studentin mit dem überbordenden Bauchgefühl durchweg gelungen. Deshalb kann ich sie auch guten Gewissens weiter empfehlen.